Interview mit Ludwig Trepte

Ludwig Trepte

Warum der Schauspieler Ludwig Trepte für sein neuestes Projekt im Beichtstuhl landete und den Text auf einem Acker lernte

Er gehört mit 28 Jahren bereits zu den ganz großen im deutschen Schauspiel-Geschäft: Ludwig Trepte. Der „nur“ 1,68 Meter große Berliner kletterte in den letzten Jahren die Erfolgsleiter immer weiter nach oben: Er überzeugte in Filmen wie „Tannbach“, „Deutschland 83“ und „Unsere Mütter, unsere Väter“ und heimste bereits zahlreiche Preise ein: Unter anderem hat er schon Grimme-Preise, die Goldene Kamera und den Bayerischen Fernsehpreis zu Hause stehen. Derzeit ist er an der Seite von Jella Haase in dem Drama „Nirgendwo“ in den Kinos zu sehen.

Auch sein neuestes TV-Projekt dürfte für viel Aufmerksamkeit sorgen. In der neuen 13th Street-Serie „Culpa – Niemand ist ohne Schuld“ übernimmt er eine Episodenhauptrolle – und landet im Beichtstuhl: Er spielt einen BND-Mitarbeiter, der einem Priester (gespielt von Stipe Ergec) ein geplantes Verbrechen beichtet. Ausgestrahlt wird das neue Crime-Format (In weiteren Rollen spielen Alina Levshin, Maxim Mehmet, Dirk Martens und Barbara Philipp) erst im Juli nächsten Jahres, Wir haben Ludwig Trepte, der übrigens schon im Alter von zwölf Jahren erstmals vor der Kamera stand, aber nie eine Schauspielschule besuchte, schon jetzt bei den Dreharbeiten in der Zionskirche in Berlin-Mitte zum Interview getroffen. Dort haben wir mit dem Familienvater (er und seine Frau Deborah sind Eltern einer Tochter) über seine neue Rolle, seine eher ungewöhnliche Vorbereitung auf die Rolle und sein Erfolgsgeheimnis gesprochen.

Interview mit Ludwig Trepte:

Sie sind dafür bekannt, dass Sie sich akribisch auf Ihre Projekte vorbereiten. Das Drehbuch zu „Unsere Mütter, unsere Väter“ haben Sie im KZ Sachenhausen gelesen. Wo haben Sie das dieses Mal getan? Im Beichtstuhl?
Nein. Ich habe meinen Text auf einem Acker gelernt.

Auf einem Acker? Warum das?
LT: Dort hatte ich sehr viel Ruhe und konnte laut schreien. Und ich konnte den Text immer wieder laut vor mir hersagen  –  was in diesem Falle extrem notwendig war. Zudem habe ich dort niemanden gestört. Ich wollte den Text tatsächlich im Beichtstuhl lernen und stand auch schon davor. Aber er war leider nicht offen an diesem Tag. Die Vorbereitung bestand in erster Linie aus Text lernen, Text lernen, Text lernen. Die meisten Szenen finden im Beichtstuhl statt. Deshalb war es eine Menge an Text. Außerdem habe ich viel mit dem Regisseur erarbeitet:  Wir sind jede Szene durchgegangen. Jeden einzelnen Satz um zu sehen: Was sind die Absichten dahinter? Wie erreicht die Figur sein Ziel?  Wir haben das Ganze auseinandergepflückt und dann wieder zusammengesetzt – wie ein Puzzle.

Welche Rolle spielen Sie, Herr Ludwig Trepte?
LT: Ich spiele einen jungen Mann, der weiß, dass ein Anderer umgebracht werden soll. Und ich gerate in einen Zwiespalt, denn ich bin mir nicht sicher, ob ich es verraten soll oder nicht.

Warum hat Sie die Rolle gereizt?
LT: Weil es um eine moralische Frage geht. Und um Schuld, Verantwortung und Entscheidung.

Was die größte Herausforderung?

LT: Es hat vor allem viel Freude gemacht, vor allem die Zusammenarbeit mit einem wunderbaren Kollegen wie Stipe Erceg, der den Priester spielt. Das Team ist wunderbar und klein gehalten. Es herrschte eine sehr angenehme Atmosphäre am Set. Die größte Herausforderung bestand darin, diese 25 Seiten Text am Stück durchzuspielen. Und immer wieder in den Rhythmus zu kommen, diesen dann zu brechen und genau die Tonalität zu treffen.

Sind die bösen Figuren die spannenderen für einen Schauspieler?
LT: Ich weiß nicht, ob die Figur, die ich spiele, wirklich böse ist. Generell lässt sich der Böse aber schneller greifen. Die Absicht, die Quelle für sein Handeln, das Verhalten und die Hintergründe sind manchmal schneller zu begreifen.

Das zentrale Thema der Serie ist die Beichte. Waren Sie schon einmal bei der Beichte – abgesehen von den Dreharbeiten hier?
LT: Nein, das ist etwas Neues für mich. Ich kenne natürlich das Prinzip der Beichte, habe es aber selbst noch nicht getan. Ich habe eine Pfarrerstochter geheiratet, insofern ist mir das bekannt. Auch wenn es da mehr um den Bereich der Seelsorge geht.

Wann sind Sie zuletzt in der Kirche gewesen?
LT: Dieses Jahr, es ist also noch nicht so lange her. Ich habe meinen Schwiegervater zum Gottesdienst begleitet.

An was glauben Sie?
LT: Ich selbst bin Heide, ungetauft. Ich glaube nicht, ich hoffe. Aber natürlich ist das in meiner Familie ein Thema, über das auch in größerem Rahmen gesprochen wird. Ich bin dem ja nicht abgeneigt, sondern sehr daran interessiert.

Sie zählen zu den derzeit erfolgreichsten Schauspielern Deutschlands. Ihr Erfolgsgeheimnis?
LT: Ich glaube, eine Zielsetzung ist wichtig. Man muss brennen für das was man tut. Dieser Wunsch muss so stark sein, dass man nichts anderes mehr fokussiert. Das ist entscheidend. Ich habe aber keine Tipps.

Gibt es eine Rolle, die Sie gerne noch spielen würden?
LT: Es gibt so viele spannende Rollen. Ich bin aber nicht auf eine bestimmte Rolle fokussiert. Ich freue mich auf die zahlreichen Rollen, die ich hoffentlich noch spielen werde.

Das Jahr neigt sich dem Ende zu. Welche Projekte stehen nach dem Dreh hier noch an?
LT: Dieses Jahr bin ich durch. Jetzt kommt Weihnachten, Familienzeit. Jetzt mache ich nichts mehr. Nur noch drei Kreuze. Und widme mich meinen anderen Leidenschaften.

Keiner ist ohne Schuld, so der Titel der Serie. Welches kleine Geheimnis könnten Sie Ihrer Frau beichten?
LT: Keines. Diese kleinen Geheimnisse kennt sie.

Bilder: Nadja Klier für 13th Street

Über Markus Mensch 242 Artikel
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