Interview mit Monika Pfundmeier

Auf Cappuccino und Bowl mit Monika Pfundmeier

Monika PfundmeierEs ist schwerer geworden, noch einen Termin mit Monika Pfundmeier zu bekommen – die Münchener Autorin wurde 2018 ausgezeichnet „als eine der stärksten Stimmen der jungen Gegenwartsliteratur“ (Begründung der Jury um Bestseller-Autorin Nina George und Vertreter des Buchhandels)  und erhielt den Jurypreis des Deutschen Selfpublisher-Preises für ihren historischen Roman „Löwenblut“(nach dem 2017er Preis für ihren Erstling „Blutföhre“), war nominiert für La Monachia, den Preis für Münchens Wirtschaftsfrauen und hält ausverkaufte Lesungen. Ihr zeitgenössischer Roman „Glück dich!“ erschien als Taschenbuch, e-Book und Hörbuch.

Nun sitzt sie mit mir im Café Jasmin mitten in München und strahlt Zufriedenheit aus.

Liebe Monika, du wirst häufig von KollegInnen um Rat gefragt, was Marketing, Markengestaltung oder auch Netzwerken angeht. Was würdest du gerne anderen Frauen mit auf den Weg geben, die sich auf dem Weg zum eigenen Business befinden?

Zeit nehmen – für sich, um zu zuhören, aufmerksam sein. Am Anfang stand ich stark unter Druck, Einnahmen zu haben, bekannt zu werden, vieles habe ich „im Vorbeigehen“ erledigt. Im Nachhinein musste ich einiges davon nochmal anpacken. Das kostet Zeit und Energie –doppelt. Also: lieber von Anfang an intensiv darüber nachdenken, wofür man selbst steht und was/wen man erreichen will. Im Was mich ausmacht war von Beginn an da, aber ich habe mir zu wenig Zeit genommen, das zu sehen.

Wichtig auch:  Gelegenheiten nutzen –den eigenen Horizont erweitern, Kontakte knüpfen. Also  unbedingt: Rausgehen – Zeit nehmen für Begegnungen, z.B. bei Events die hier in München für Business-Frauen organisiert werden, oder durchaus auch ganz unvoreingenommen auf andere Kultur-Events, bei denen man ins Gespräch kommen kann.

Du bist seit 2016 erfolgreich mit deinen Büchern – wann hast du deine ersten Gehversuche im Schreiben gemacht und wie war der Weg bis zum Durchbruch?

Relativ lose waren die Versuche schon eine ganze Weile davor. Ab 2015 war mir dann klar, wohin ich will. Dafür habe ich mein Leben umgestellt, meinen Job als Unternehmensberaterin gekündigt und konzentriert am Buch und an meinem Auftritt rund um das Buch gearbeitet.

Wie siehst du Monika Pfundmeier dein Entwicklung im Bereich Buch, Lesen, Literatur?

Wohin die Zukunft des Buches und der Buchbranche sich entwickelt, ist mir besonders wichtig. Dass hier die Wege in München zu den Verlagen und die Kontakte zu Tolino so eng sind, schätze ich sehr. Denn so komfortabel Amazon für uns als Konsumenten, zum Teil auch als Autoren ist, so kritisch sehe ich diesen Weg, den Amazon möglicherweise in Richtung Monopol beschreitet.

Umso wichtiger und dringlicher ist, dass wir – Autoren (Selfpublisher und Verlagsautoren), Verlage, unabhängiger Buchhandel – in den Dialog treten und ein Gegengewicht für freie Meinung, Vielfalt und Unabhängigkeit bilden. Die Gefahr andererseits ist, dass ein Monopolist ausschließlich nach wirtschaftlichen Interessen agiert und Vielfalt ausstirbt. Hier geht es um die Zukunft der Branche – aber auch um die Zukunft aller, die lesen und eigene Gedanken auch zukünftig entwickeln wollen.

Ist München ein guter Ausgangspunkt für jemanden, besonders für eine Frau und Künstlerin, die sich selbständig macht? In aller Munde sind die hohen Lebenskosten für Wohnen, Ausgehen, Essen, der Snob-Faktor der Stadt, der hohe Anteil an eher IT, technischen und eher männerdominierten Branchen.

Monika PfundmeierMünchen ist meine absolute Herzensstadt und bietet unglaublich viel: jeden Tag finden sich Konzerte, Ausstellungen, Bühnen, die bespielt werden, Messen. Menschen und die Möglichkeiten zum Austausch sind überall zu finden. Durch die Uni und internationale Firmen, herrscht ein gutes Maß an Offenheit und unterschiedlichen Kulturen in der Stadt, was sehr bereichernd ist. Natürlich beschäftigt auch mich, das Gefälle in der Arbeits- und Berufswelt. Wie entwickelt sich unser Verständnis füreinander und das Rollenbild? Das hat starken Einfluss, auf die Freiheiten, die wir in Zukunft haben werden – oder eben nicht haben werden, und auf die Ideen, zukünftige Produkte, Erfindungen, die dadurch entstehen können, oder verhindert werden, wenn wir Teile unserer Gesellschaft ausblenden und vernachlässigen, die großartige Ideen haben.

Für mich bietet München zudem den Vorteil, dass einige meiner Geschäftspartner in München sind – nicht zuletzt, weil München auch Verlagsstadt ist.

Außerdem ist München – auch trotz des ein oder anderen (nervigen) Ausfalls – unwahrscheinlich gut verbunden und viele Ziele erreicht man durch Bahn, Flug, Auto schnell. Das ist für mich wichtig, wenn ich auf Reisen für meine Bücher unterwegs bin – zur Recherche, zu Lesungen. Natürlich überlege ich mir genau, welches Verkehrsmittel und nutze gerne und oft die Bahn. Auch, weil ich in der Regel gut in der Bahn arbeiten kann.

Und natürlich stehen auf der anderen Seite die Kosten. Ja, München ist teuer. Aber erstens: wo ist es das nicht? Auf meinen Reisen habe ich oft genug ähnliche oder höhere Preise für weniger Qualität erlebt, wenn es um Essen/Unterhaltung geht. Wohnen ist oft in ländlicheren Regionen günstiger, aber im Gegenzug steigen dann die Kosten für Logistik. Und zweitens: ein paar der Ausgaben-Faktoren hat man selbst in der Hand. Es gibt tolle Lokale, die absolut faire Preise haben, im Sommer kann ich Freunde auch an der Isar zum Picknick treffen, oder im Winter zum Spaziergang.

Heute versorgst du regelmäßig Grafiker (Zero Werbeagentur, München, Laura Newman, Bremen, Pavo Ivkovic, Köln), eine Marketingagentur (Nigmanauten), Fotografen (Raimund Verspohl) und andere mit Aufträgen. Mit Tolino – dem deutschen Pendant zu dem Kindle von Amazon –  besteht eine enge Zusammenarbeit.

Wie wichtig ist dir bei der Zusammenarbeit die lokale Komponente?

Klasse finde ich das schon, mit anderen aus München zusammen zu arbeiten. Themen werden mal eben Face2Face besprochen, das ist unkompliziert. Allerdings ist unser unschätzbarer Vorteil, dass die Welt durch Internet, E-Mail, etc. sehr, sehr klein geworden ist. Insofern funktioniert der Austausch mit Geschäftspartnern weltweit sehr gut, sofern man auf der gleichen Wellenlänge unterwegs ist. Und überhaupt besteht viel einfacher die Möglichkeit zu finden, was am besten zu einem passt.

München ist gerade nicht (mehr) für seine Kunstszene bekannt. Woran liegt das? Ist hier tatsächlich ein so schlechtes Umfeld für Kultur?

In München existiert eine große Vielfalt an Künstlern. Aber: viele sind praktisch „unsichtbar“, werden nicht wahrgenommen. In den Medien ist oft – vielleicht auch weil es einfacher und schneller zu entdecken ist – der Glitzer und Glamour der Stadt. Das lenkt die Aufmerksamkeit weg von dem, was sonst geboten ist, was an Schönem, Wertvollem entsteht, weil dies oft wesentlich leiser entsteht und im ersten Moment weniger effektvoll als die Dramen extrovertierterer und prominenterer Menschen.

In Sachen Kultur gibt es tolle Angebote, lokale Künstler, die gefördert und/oder günstiger sind und manchmal vielleicht genau deswegen ein überraschenderes Erlebnis bieten, als die Band, der Star, der auf seiner Welttour Tonnen von CO2 in die Atmosphäre bläst. Wir können selbst entscheiden und nachhaltiger und kostensparender leben und konsumieren. Wir können dadurch auch das Bild der Stadt verändern – und den Fokus stärker auf die Inhalte und die Qualität legen, als auf blendende Oberflächen.

Du machst dich im Netz, bei Interviews (zB Cosmopolitan) und auch bei Autoren- oder Bloggertreffen stark für #supporther, eine Initiative dafür, zusammen als Frauennetzwerk mehr zu erreichen als jede allein. Was Männer schon lange wissen, dass Kontakte Gold wert sein können, wenn man gedanklich oder beruflich feststeckt, müssen Frauen erst lernen.

Woher kommt dein Vertrauen daran, dass Kontakte so wichtig sind?

Dieses Vertrauen kommt aus der Erfahrung und aus den Begegnungen. Meine GeschäftspartnerInnen habe ich durch die Empfehlungen z.T. Freundinnen und durch Bekannte kennengelernt. Wenn ich gute Erfahrungen gemacht habe, empfehle ich diese Kontakte wiederum auch gerne weiter.

Wichtig und wohltuend sind auch Menschen, die offen zu ihren Fehlern stehen und uns diese erzählen. Scheitern ist ok. Es ist wichtig. Manchmal erkennt man nur durch Scheitern, dass man auf dem Holzweg war und meistens, lernt man am meisten daraus – ob man nun die Fehler selbst macht, oder die anderen. Und eins ist sicher: nur wenn man gescheitert ist, lernt man aufzustehen, lernt seine Kräfte kennen, lernt wie man in dieser Situation mit anderen und sich umgeht und lernt das Vertrauen, es auch beim nächsten Mal wieder zu schaffen. Wenn lange alles glatt läuft, kann einen ein kleines Scheitern richtig aus der Bahn werfen – oder menschlich sehr unschöne Züge hervorbringen.

Du bist Unternehmerin und gefragte Rednerin, Vorbildfunktion für SchülerInnen, wenn du an Schulen über deinen Werdegang sprichst. Wie nimmst du die nächste Generation wahr in ihren Berufswünschen? Was hat sich verändert, seit du mit 18 über Studium und Job nachgedacht hast?

Verändert hat sich vieles. Ich habe den Eindruck, neben einigen klassischen Berufen in Branchen wie Finanzwesen, Sozialem, Handwerk existiert ein viel breiteres Spektrum an technischen und digitalen Optionen und allein diese Optionen zu überblicken ist taff. Geschweige denn so jung zu entscheiden, wie der Alltag in diesem Beruf tatsächlich aussieht und womit man seine Lebenszeit verbringen möchte.

Die frühe Entscheidung mussten wir alle treffen, die Herausforderung liegt, denke ich, wirklich in den Möglichkeiten und in der Verfügbarkeit von Beispielen. Und hier ist damals wie heute die Frage: findet jeder das passende Rolemodell für sich, oder wird die Wahrnehmung sehr stark von einem bestimmten Rollen- und Berufsmodell dominiert. Ich bin mir nicht sicher, ob vielen bewusst ist, welche Chance und welche Freiheiten sie hier, gerade in dieser Zeit und in unserem Land haben. Es ist auch ok, eine getroffene Entscheidung zu ändern. Ich habe auch ein wenig gebraucht, das zu erkennen.

In „Glück dich!“ steht deine Hauptfigur Nora vor schweren Entscheidungen in Job, Leben und Liebe. Auch sie muss wie viele Frauen, die erfolgreich sind, sich entscheiden, welchen Weg sie geht, wie viel sie vielleicht aufgibt von ihren Überzeugungen und was sie zulässt für ihr berufliches Vorankommen.

Wie viel von deinen Erfahrungen oder Erzählungen aus dem Freundeskreis steckt in ihr?

Tatsächlich steckt da einiges drin. In Glück dich! dreht sich viel um die Verantwortung für das eigene Glück und den eigenen Lebensweg und Liebe. Wen oder was müssen wir überwinden, um diese Liebe zu finden. Und manchmal wünschte ich – mir und anderen – schon so weit zu sein wie Nora, die Heldin im Buch.

Vielen Dank Monika Pfundmeier.

Dein Krimi „Kreizkruzefix“ erscheint im März 2020 im Servus Verlag – worauf dürfen sich deine LeserInnen freuen?

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Im Mittelpunkt steht der Doppelmord an den erfolgreichen Gin-Produzenten Sonja und Franz. Kurz vor Beginn der weltbekannten Oberammergauer Passionsspiele ist das denkbar ungünstig, und vor der Premiere in wenigen hätte man natürlich gerne ein blitzeblank-präsentables Dorf für die ganzen anreisenden Touristen.

Mittendrin: Theres – Jägerin, Metzgerin, Besserwisserin und Umkremplerin der Traditions-Metzgerei ihres Vaters und mancher Gepflogenheiten. Die ehemalige Eventmanagerin ist zurück aus Wien und merkt schnell: Wer das „Haben-wir-immer-so-gemacht“ ignoriert und zu oft mit den attraktiven Kommissaren spricht, gerät nicht nur wegen Mordes unter Verdacht.

So muss Theres sich gegen den Mordverdacht wehren, aber gleichzeitig auch die Frage lösen: Wo helfen uns unsere Traditionen, tun uns gut und wo behindern sie uns und werfen uns sogar zurück.

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Über Franziska Kurz 7 Artikel
Franziska schreibt für verschiedene Zeitschriften und auf franzi-liest.de über Kultur, Literatur und starke Frauen. In München zuhause liebt sie die Entspannung in Spas und bei einer guten Tasse Jasmintee.

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